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22.09.2026

Kalte Progression: Steuerzahlerbund warnt vor Rückkehr

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) sieht die Gefahr, dass die so genannte kalte Progression in den kommenden Jahren wieder stärker zulasten der Steuerzahler wirkt. Hintergrund sind Pläne der Bundesregierung, die Einkommensteuertarife 2027 und 2028 offenbar nicht mehr vollständig an die Inflation anzupassen.

Von kalter Progression spricht man, wenn Lohnerhöhungen lediglich die Inflation ausgleichen, Arbeitnehmer aber dennoch in höhere Steuerstufen rutschen und dadurch relativ mehr Steuern zahlen. Obwohl die Kaufkraft real kaum steigt, wächst die Steuerbelastung. Hinzu kommen nach Ansicht des Steuerzahlerbundes steigende Sozialabgaben, kommunale Gebühren und höhere Grundsteuerlasten.

Der Verband erinnert daran, dass die Politik seit 2016 die Tarife der Einkommensteuer regelmäßig an die Inflation angepasst habe, um solche verdeckten Steuererhöhungen zu vermeiden. Von diesem Kurs könnte nun abgewichen werden.

Zwar solle der Grundfreibetrag in den Jahren 2027 und 2028 weiter angehoben werden. Dies sei jedoch ohnehin erforderlich, weil er an das steuerfrei zu stellende Existenzminimum gekoppelt ist. Nach den bisherigen Plänen sollen die übrigen Tarifgrenzen jedoch nicht vollständig im Umfang der Inflation steigen.

Nach Auffassung des BdSt hätte dies zur Folge, dass der Staat zusätzliche Steuereinnahmen erzielt, ohne die Steuersätze ausdrücklich zu erhöhen. Die Inflation würde damit zu einem Teil der Steuermehreinnahmen beitragen.

Besondere Bedeutung misst der Verband dem für den Herbst erwarteten siebten Steuerprogressionsbericht der Bundesregierung bei. Dieser dürfte zeigen, in welchem Umfang der Fiskus durch einen unvollständigen Inflationsausgleich zusätzliche Einnahmen erzielen würde.

Bei einer angenommenen Inflationsrate von 2,7 Prozent könnten Bund und Länder nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes rund sieben Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Der Verband fordert deshalb, die Einkommensteuertarife künftig automatisch an die Inflation anzupassen, um heimliche Steuererhöhungen zu verhindern.

Nach Ansicht des BdSt wird damit letztlich der Bundestag entscheiden müssen, ob die Steuerzahler weiterhin vollständig vor den Auswirkungen der kalten Progression geschützt werden oder ob höhere Steuerlasten infolge der Inflation in Kauf genommen werden.

Bund der Steuerzahler, PM vom 12.09.2026