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17.09.2026

Großrazzia: Steuerfahnder nehmen mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk ins Visier

Bei einer länderübergreifenden Großrazzia wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit haben Ermittler in Deutschland und Belgien zahlreiche Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Rund 800 Einsatzkräfte waren an den Maßnahmen beteiligt. Wie die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen mitteilt, sollen die Beschuldigten dem Steuerfiskus und den Sozialversicherungsträgern seit 2017 einen Schaden von mehr als 60 Millionen Euro zugefügt haben.

Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt 50 Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, über ein Netzwerk von Scheinfirmen Bargeld aus illegalen Geschäften in den regulären Zahlungsverkehr eingeschleust zu haben. Nach dem Prinzip "Bargeld gegen Buchgeld" sollen ausländische Unternehmen aus Drittstaaten in Deutschland Bargeld aus dem Verkauf illegaler Waren erzielt haben. Um dieses Geld in den regulären Zahlungsverkehr einzuspeisen, bedienten sie sich der Beschuldigten als Dienstleister. Diese stellten Scheinfirmen bereit, über die das Bargeld als vermeintlich sauberes Buchgeld auf Konten im Ausland transferiert wurde. Für diesen Service kassierten die Beschuldigten drei Prozent Provision.

Das Bargeld soll zugleich genutzt worden sein, um Schwarzlöhne auszuzahlen, insbesondere in der Transport- und Logistikbranche. Mithilfe von Scheinrechnungen seien zudem unberechtigte Vorsteuerabzüge geltend gemacht worden. Die Ermittler konnten nach eigenen Angaben Zahlungsströme von rund 150 Millionen Euro nachvollziehen.

Um ihre Spuren zu verwischen, sollen die Beschuldigten regelmäßig Scheinfirmen im In- und Ausland gegründet und wieder liquidiert haben. Als formelle Verantwortliche seien dabei so genannte Strohgeschäftsführer eingesetzt worden.

Die Durchsuchungen fanden im Rahmen zweier koordinierter Ermittlungsverfahren in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Belgien statt. Die Maßnahmen wurden unter anderem vom Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen, der Europäischen Staatsanwaltschaft, den Staatsanwaltschaften Frankfurt am Main und Darmstadt, dem Hauptzollamt Frankfurt am Main sowie belgischen Strafverfolgungsbehörden durchgeführt.

Während des Einsatzes vollstreckten die Ermittler vier Haftbefehle. Zudem sicherten sie Vermögenswerte im vorläufigen Wert von knapp 500.000 Euro, darunter Bargeld, Gold, Luxusuhren, Schmuck, Fahrzeuge und hochwertige Handtaschen. Außerdem wurde eine Schusswaffe mit scharfer Munition beschlagnahmt.

Nach Angaben der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen handelt es sich um professionelle Strukturen, die darauf ausgelegt gewesen seien, Gelder am Staat vorbei ins Ausland zu transferieren und Schwarzarbeit zu verschleiern. Die Ermittlungen dauern an.

Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen, PM vom 16.09.2026