28.01.2026
Existenzbedrohende Steuerforderungen, blockierte Unternehmensnachfolgen, erschwerte Investitionen – das sieht der Bund der Steuerzahler (BdSt) als Folgen steuerlicher Pauschal-Bewertungen von nicht börsennotierten Betrieben. Die gängige Bewertungspraxis sei realitätsfern, meint auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Jetzt haben die beiden Verbände bei Bundesfinanzminister Lars Klingbeil für eine kurzfristige Überprüfung und Korrektur geworben.
"Wir fordern Sie auf, klare Leitlinien für realistische Unternehmensbewertungen vorzugeben und die Finanzverwaltung entsprechend zu sensibilisieren", schreiben BVMW-Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus und BdSt-Präsident Reiner Holznagel in ihrem gemeinsamen Brief.
Derzeit griffen die Finanzbehörden regelmäßig auf das vereinfachte Ertragswertverfahren zurück. Bei diesem pauschalen Verfahren würden individuelle Risiken – Abhängigkeiten von Kunden, Marktschwankungen oder branchenspezifische Unsicherheiten – kaum berücksichtigt. Die Folge seien überhöhte Steuerwerte, so die Verbände.
"Die daraus resultierenden Liquiditätsengpässe treffen nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer, sondern haben unmittelbare Auswirkungen auf Beschäftigung, regionale Wertschöpfungsketten und die Stabilität des Mittelstands insgesamt – also auf das Rückgrat unserer Volkswirtschaft", betonen BdSt und BVMW. Besonders irritierend sei, dass diese Entwicklung ausgerechnet in einer Phase eskaliere, in der die öffentliche Debatte um eine Reform der Erbschaftsteuer im Januar 2026 bereits erhebliche Unsicherheiten bei Unternehmern und Steuerzahlern ausgelöst habe.
Mit ihrem gemeinsamen Engagement für realistische Bewertungen und verlässliche steuerliche Rahmenbedingungen appellieren BdSt und BVMW an die Bundesregierung, Vertrauen in die Steuerverwaltung wiederzustellen und den Mittelstand Deutschlands vor weiterem Schaden zu bewahren.
Bund der Steuerzahler e.V., PM vom 26.01.2026